Tag 3: Mit Händen und Füßen

Vorne: Mein Kopf. Im Hintergrund: Budapest.

Internetpause vor dem Monyò Café, während der Verkehr an mir vorbeirauscht. Was das Bild (vorhin aufgenommen, auch mit Verkehr) nicht zeigt, weil mein großer Kopf die Brücke verdeckt: Ich bin in Budapest.

Der Weg dorthin war durchaus beschwerlich, aber reizvoll. Zur Verständigung kam erstmals mein Büchlein zum Einsatz, mit dessen Hilfe ich Daniel und Laszlo erklärt habe, welche Route ich bis September noch nehmen werde. Zuvor hatten mich die beiden von einer Tankstelle in der Nähe des Plattensees aufgegabelt, wo ich schon damit gerechnet hatte, bis abends warten zu müssen.

Da kommt kein Auto mehr hin, fährt die Tram nicht mehr hin (CC, Share-Alike)

Tankstellen am Rande der Autobahn scheinen in Ungarn komplett unbrauchbar, um vom Fleck zu kommen. Mein Glück: Nachdem Daniel und Laszlo mich rauswerfen, gehe ich einfach zu einem Transporter, der hinter uns steht. Und siehe da: Prompt geht es weiter. Am Steuer sitzt Djobo (ich habe keine Ahnung, ob er sich wirklich so schreibt); seine Ladung: Feinstes Speiseeis aus der Fabrik seiner Eltern (vielleicht sagen jemandem „Ice and Go“ oder „Magic Ice“ etwas), Doch während hinten im Transporter -40 Grad herrschen, sind es vorne so um die +35, weil die Klimaanlage kaputt ist. Djobo spricht übrigens deutsch, weil er früher in Österreich gearbeitet hat. „Schlechtes Benzin, schlechte Autos – wir Ungarn kriegen bei allem das Schlechteste“, schimpft er beim Tanken (Ungarisches Benzing -> 1,5 Liter mehr Verbrauch auf 100 Kilometer). Als er mich rauswirft, muss ich nur die Straßenseite wechseln, mein Schildchen hochhalten und schon nimmt mich Robert mit.

Unterwegs (im Spiegel: Daniel. Alle Rechte vorbehalten)

Er spricht leider, wie einige Ungarn, keine Fremdsprache. So kommt es zu einem folgenschweren Missverständnis: Ich glaube, er fragt mich, ob ich zum Sziget-Festival fahre (worauf ich gestenreich verneine, denn das ging am Montag zu Ende) – kurz vor Budapest stellt sich heraus, dass er mir erklären wollte, dass er nach Szeged im Süden des Landes unterwegs ist.

Er will mich direkt AUF dem Autobahnkreuz rauslassen, was ich ihm (wiederum gestenreich) ausrede. Er versucht, mir auf dem Navi seinen weiteren Weg zu erklären, was etwas bizarr anmutet, denn der eingebaute MP3-Player scheppert derweil Metal-Lieder (ich hatte aus Höflichkeit den Daumen nach oben gestreckt, als er mich nach Heavy Metal fragte – woraufhin Robert wohl aus Höflichkeit die Lautstärke kräftig aufdrehte). Am Ende verlasse ich ihn in einem Vorort  von Budapest, steige in die einfahrende Bahn, werde von einer Fahrkartenkontrolleurin ignoriert (ob mein Tramper-Bart bereits für Furcht sorgt?) und lande im Herzen Budapests.

Die Lichter der Markthalle (CC, Att-Share-Alike)

Und was soll ich sagen: Die Stadt ist einfach ein Traum. Allerdings bleibt mir zum Träumen keine Zeit, denn es gibt leider keine freie Couch und ich muss ein Hostel suchen. Ab morgen geht es dann Richtung Slowakei/Polen nach Norden (wobei ich noch überlege, erst spät loszutrampen). Das könnte ein beschwerliches wie zähes Wegstück werden, weshalb die Blogposts etwas rarer ausfallen dürften. Heute ist aber heute, deshalb rein ins Stadtgetümmel.

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